Haarfarben USA

25. Februar 2010

Haarfarben – USA – amerikanische Haarfarben – Statistik – statistische Daten – Verteilung von Haarfarben – Schwarze – Weiße – Asiaten – Hispanics – Online-Befragung – Stichproben – Repräsentativität – blond – braun – schwarz – rot

Haarfarben in den USA
Stichprobenverzerrungen bei Online-Befragungen

© PD Dr. Ronald Henss


In diesem Blog wurden schon mehrfach statistische Daten über die Verteilung von Haarfarben berichtet, die im Rahmen einer außerordentlich umfangreichen Online-Befragung ermittelt wurden.

Im Folgenden geht es speziell um „US-amerikanische Haarfarben“.

An der Befragung nahmen mehr als 2.800 Männer und 8.100 Frauen aus den USA teil. Aufgeschlüsselt nach dem Geschlecht ergab sich folgende Verteilung der natürlichen Haarfarbe (Prozentangabe jeweils innerhalb des betreffenden Geschlechts):

  • hellblond:   Männer: 2,2%     Frauen: 2,6%
  • mittelblond:   Männer: 8,0%     Frauen: 9,3%
  • dunkelblond:   Männer: 8,2%     Frauen: 10,6%
  • hellbbraun:   Männer: 10,3%     Frauen: 11,9%
  • mittelbraun:   Männer: 22,9%     Frauen: 24,3%
  • dunkelbraun:   Männer: 28,2%     Frauen: 25,5%
  • schwarz:   Männer: 13,3%     Frauen: 5,8%
  • rotblond:   Männer: 1,6%     Frauen: 2,4%
  • rotbraun:   Männer: 3,0%     Frauen: 5,0%
  • rot:   Männer: 2,0%     Frauen: 2,7%

Es gibt keinen Grund, an der Ehrlichkeit der Angaben zu zweifeln (auch wenn in Einzelfällen unrichtige Angaben gemacht wurden). Gleichwohl macht bereits ein kurzer Blick auf die Daten deutlich, dass sie auf keinen Fall die Verteilung der natürlichen Haarfarbe der gesamten Bevölkerung der USA widerspiegeln. Oder anders ausgedrückt: dass es sich bei den Befragten auf keinen Fall um eine repräsentative Stichprobe der USA handelt.

Die Bevölkerung der USA umfasst rund 80 Prozent Weiße, 13 Prozent Schwarze, 4 Prozent Asiaten und 1 Prozent Indianer und Ureinwohner Alaskas (Quelle). Schwarze und nahezu alle Asiaten haben fast ausschließlich schwarzes oder dunkelbraunes Haar. Und auch unter den Weißen dürfte schwarzes und dunkelbraunes Haar recht häufig sein, da ein erheblicher Teil aus südeuropäischen Ländern und aus Lateinamerika zugewandert ist, wo sehr dunkles Haar vorherrscht (etwa 15 Prozent der US-Bevölkerung sind sogenannte Hispanics). Daher ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass der Anteil an schwarzem und dunkelbraunem Haar in der Gesamtbevölkerung wesentlich höher liegt als in der Stichprobe der Online-Befragung.

Eine Online-Befragung liefert stets nur Informationen über die Subgruppe, die an solchen Umfragen teilnimmt. In aller Regel wird sich diese Subgruppe von der Gesamtpopulation deutlich unterscheiden. Für viele Fragestellungen der psychologischen Forschung sind solche Unterschiede bedeutungslos, weil bei vielen typischen Fragestellungen der psychologischen Forschung die Repräsentativität der Stichprobe völlig irrelevant ist. Wenn es jedoch um Merkmalsverteilungen innerhalb einer Gesamtpopulation – also um demographische Fragen – geht, dann ist die Repräsentativität unverzichtbare Voraussetzung.

Abschließend sei klar gesagt: Auch wenn hier eine außerordentlich umfangreiche Stichprobe zugrundeliegt, spiegeln die Daten nicht die Verteilung der Haarfarbe in der Gesamtbevölkerung der USA wider.

***


Haarfarben im Fernsehen

10. Februar 2010

Haarfarben – TV – Fernsehen – Fernseh-Stars – TV-Stars – blond – Blondinen – dunkelhaarig – Männer – Frauen – Geschlechtsunterschiede – USA – Psychologie – psychologische Untersuchung

Blonde Frauen, dunkelhaarige Männer
Haarfarben in Fernsehsendungen
Aus einer Untersuchung von D.M. Davis (1990)

© PD Dr. Ronald Henss

In den letzten Jahrzehnten ist das Fernsehen zum wichtigsten Medium geworden, über das Menschen in westlichen Gesellschaften die Welt wahrnehmen. Die Personen, die in diesem Medium präsentiert werden, sind alles andere als eine repräsentative Stichprobe der Gesamtgesellschaft. Bereits die Alltagserfahrung macht klar, dass sich die Auswahlverzerrung auch auf die Haarfarbe erstreckt und dass dabei das Geschlecht der Darsteller eine zentrale Rolle spielt.

Einen empirischen Beleg bietet zum Beispiel die Studie von Davis (1990). Untersucht wurden Fernsehshows, die im Frühjahr 1987 in US-amerikanischen Fernsehsendern zur Prime-Time ausgestrahlt wurden. Insgesamt wurden 894 Darsteller berücksichtigt, die an mindestens einer Dialogsequenz teilnahmen (65,4% Männer, 34,6% Frauen). Zwei Beurteiler codierten verschiedene demographische Merkmale der Darsteller, darunter auch die Haarfarbe.

Die Haarfarben verteilten sich wie folgt auf Männer und Frauen (Prozentangaben jeweils innerhalb des betreffenden Geschlechts):

  • braun     Männer: 40,2   Frauen: 12,1
  • schwarz     Männer: 34,5   Frauen: 24,1
  • rot/rotbraun     Männer: 2,1   Frauen: 11,2
  • blond     Männer: 6,8   Frauen: 35,7
  • grau     Männer: 13,9   Frauen: 2,1
  • sonstige     Männer: 2,5   Frauen: 0,2

Das Ergebnis ist eindeutig: Männer und Frauen werden im Fernsehen mit sehr unterschiedlichen Haarfarben präsentiert – Männer dunkelhaarig und Frauen blond oder schwarz – und bei beiden Geschlechtern weichen die prozentualen Anteile der dargebotenen Haarfarben sehr stark von der Verteilung der Haarfarben in der Gesamtbevölkerung ab.

(Der auffallend hohe Anteil von schwarzem Haar spiegelt nicht unbedingt auf eine Präferenz für schwarzes Haar wider; zum Teil ist er wohl auch darauf zurückzuführen, dass schwarze Darsteller nahezu ausschließlich schwarzes Haar tragen.)

Es sei noch angemerkt, dass die Altersverteilung bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich war, Frauen waren im Schnitt 10 Jahre jünger.

***

Literatur
Davis, D.M. (1990). Portrayals of women in prime-time network television: some demographic characteristics. Sex Roles, 23, 325-332.
***


%d Bloggern gefällt das: