Unsinn in Medienberichten Fit for fun


Haare – Haarfarben – Barbiepuppe – Medienberichte – Unsinn, Fit for fun – Frauenhaar – statistische Daten – Statistik

Blond, braun, schwarz, rot
Sinn und Unsinn der Berichterstattung in den Medien
Beispiel: FIT FOR FUN (Februar 2009)

© PD Dr. Ronald Henss

Ob blond, ob schwarz, ob braun …
Das Thema „Haarfarben“ ist allzeit von großem Interesse. Und den Medien bietet dieses Thema eine unerschöpfliche Quelle, um ihre Klatsch- und Tratschspalten zu füllen. Oftmals wird dabei eine Menge Unsinn in die Welt gesetzt. – Ein Beispiel soll in diesem Beitrag beleuchtet werden.

Auf einer Website berichtete FIT FOR FUN unter der Überschrift Traumfrau   Männer stehen auf Barbie-Typ unter anderem:
Wer ist die Schönste im ganzen Land? „Barbie“ lautet offenbar die Antwort vieler Männer, zumindest wenn es um die ganz persönliche Traumfrau geht.
Blaue Augen, blonde Haare, schlanke Figur – die Traumfrau der deutschen Männer ähnelt einer Barbiepuppe. Zu diesem Ergebnis kam die Online-Partnervermittlung ElitePartner.de, die das männliche Geschlecht zu dessen optischen Vorlieben befragt hat … Auch in Sachen Haarfarbe lässt sich ein Großteil der Männer offenbar von der langbeinigen Stilikone aus Plastik inspirieren. So wünschen sich 37 Prozent eine Partnerin mit blonden Haaren. 32 Prozent sprechen sich für Brünette aus und nur jeder Vierte begeistert sich für Schwarzhaarige. Rothaarige à la Esther Schweins kommen nur bei sechs Prozent der Männer gut an.
(Website aufgerufen am 22. 02. 2009)

So weit, so gut. Oder besser: so weit, so schlecht!
Dieses Beispiel ist typisch für die oberflächlich Berichterstattung in den Medien. Viele Journalisten geben sich damit zufrieden, irgendwelche Prozentzahlen in die Welt hinauszuposaunen, ohne zu fragen, was diese Zahlen eigentlich aussagen.

Wer auch nur eine Sekunde nachdenkt, wird fragen: „Und wie sehen die Prozentzahlen denn in der Bevölkerung aus?“
Leider gibt es hierzu keine exakten Statistiken (zumindest sind mir keine bekannt). Aber es gibt zumindest Annäherungen.

Im Rahmen einer online-Untersuchung – die noch nicht abgeschlossen ist – wurden mehr als 25.000 Teilnehmer nach ihren Vorlieben und Abneigungen hinsichtlich der Haarfarbe von Männern und Frauen befragt. Dabei wurden sie auch nach ihrer eigenen natürlichen und nach ihrer aktuellen Haarfarbe gefragt.

Die Stichprobe umfasste mehr als 6.700 deutsche Frauen, und die Frage nach der natürlichen Haarfarbe ergab:
Blond: 49,3%
Braun: 43,1%
Schwarz: 2,1%
Rot: 0,9%
Rotblond: 2,3%
Rotbraun: 2,3%

Vor diesem Hintergrund schneiden blonde Frauen ganz und gar nicht gut ab: Wenn nur 37 Prozent der Männer eine blonde Partnerin bevorzugen, dann gibt es ein enormes Überangebot an blonden Frauen – die ja etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Ähnlich schlecht sähe es für die Brünetten aus; auch hier liegt das Angebot meilenweit über der Nachfrage. Extrem gut sieht es hingegen für die Schwarzhaarigen aus: Die Nachfrage wäre gut zehnmal so hoch wie das Angebot. Und auch die Rothaarigen hätten Grund zur Freude, denn aufgrund ihrer Seltenheit liegt auch hier die Nachfrage weit über dem Angebot.
(Ob auf der Nachfrageseite jeweils auch der Traummann zu finden ist, sei dahingestellt.)

Da unsere Versuchspersonenstichprobe keine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung ist, handelt es sich bei den genannten Zahlen nicht um eine repräsentative Statistik. Aber allzu weit dürften die Prozentzahlen von der realen Häufigkeitsverteilung nicht abweichen; sie stimmen gut mit anderen Befunden überein.

Alle Rechte beim Autor. Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

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One Response to Unsinn in Medienberichten Fit for fun

  1. gleichklang sagt:

    Stimmt natürlich, dass beispielsweise bei den Rothaarigen die Nachfrage stark über dem Angebot liegt. Andererseits ist aber für das Individuum möglicherweise die wichtigere Frage, wie hoch denn die Chancen bei einem beliebigen Mann sind, dem frau begegnet. Da gilt dann eben schon, dass diese Chancen umso höher sind, je häufiger die entsprechende Kategorie genannt wird. Wobei ich allerdings anzweifle, dass dann die Haarfarbe wirklich das entscheidende Kriterium sein wird, bei den meisten jedenfalls sicher nicht.

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